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Klerus
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Der Klerus (altertĂŒmlich auch Klerisei oder Clerisei) ist die Gesamtheit der Angehörigen des geistlichen Standes, der Kleriker.
Die Bezeichnung bezieht sich vornehmlich auf die Stufen des Weihepriestertums im Christentum, wird aber gelegentlich auch auf VerhĂ€ltnisse auĂerhalb ĂŒbertragen und fĂŒr Kultdiener oder Geistliche anderer Religionen verwandt, zum Beispiel den schiitischen Klerus. Prinzipiell lĂ€sst sich von Klerus jedoch nur dann reden, wenn es innerhalb einer religiösen Gemeinschaft eine Gruppe AmtstrĂ€ger mit priesterlichen oder vergleichbaren Funktionen gibt, die deutlich von den ĂŒbrigen GlĂ€ubigen â den Laien â abgehoben ist. Dies ist beispielsweise im sunnitischen Islam, aber auch in den meisten protestantischen Kirchen, die ein reformatorisches VerstĂ€ndnis vom allgemeinen Priestertum aller GlĂ€ubigen vertreten, nicht oder nur eingeschrĂ€nkt der Fall. Im allgemeinen Sinn spricht man auch von der Geistlichkeit.
Contents
âą Etymologie
âą Status
âą Klerikerstand
âą Religiosen
âą Protestantismus
âą Literatur
âą Weblinks
âą Siehe auch
âą Einzelnachweise
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Etymologie
Das Wort Klerus (lateinisch clerus, davon abgeleitet auch englisch clergy, französisch clergĂ© usw.) geht auf griechisch ÎșλáżÏÎżÏ kleros zurĂŒck, das eigentlich so viel wie âScherbeâ bedeutete, in einem besonderen Sinne dann âLos, als Los gebrauchte Scherbeâ (vgl. Scherbengericht), und daher schlieĂlich âdurch Los zugefallener Erb- oder Anteilâ. Seine heutige, also theologische Bedeutung âausgewĂ€hlter Priesterstandâ knĂŒpft wohl an das erste Kapitel der Apostelgeschichte an, in dem beschrieben wird, wie Matthias durch Losentscheid zum zwölften Apostel bestimmt wird (Apg 1,17: Ï᜞Μ ÎșλáżÏÎżÎœ ÏáżÏ ÎŽÎčαÎșÎżÎœÎŻÎ±Ï ÏαÏÏηÏ), jedenfalls kam sie in der griechischen und lateinischen Kirchensprache der Alten Kirche auf.cite-ref-1[1] Vermutlich datiert die BegriffsprĂ€gung um das Jahr 200 n. Chr., zumindest findet sich der Ausdruck noch nicht in den Schriften der Apostolischen VĂ€ter; erstmals erscheint er bei Tertullian (z. B. De Monogamia 12: âUnde enim Episcopi et Clerus? Nonne de omnibus?â, deutsch âDenn woher sind die Bischöfe und der Klerus genommen? Doch wohl aus der Masse der Christen.â), wenig spĂ€ter dann bei Origenes (9. Homilie zu Jeremia) und Clemens von Alexandria (Quis dives salvetur 42).
Status
Ein Kleriker ist in der katholischen, orthodoxen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter AmtstrÀger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments empfangen hat. Den Klerus dieser Kirchen kann man daher auch als weihestandWeihestand bezeichnen. In der römisch-katholischen und in den orthodoxen Kirchen können nur MÀnner das Weihesakrament empfangen.
Als Ă€uĂere Zeichen der Zugehörigkeit zum Klerus sind bestimmte Formen der Kleidung (Kollar oder Beffchen, Talar oder Soutane, Birett, Pileolus, Kamilavka) und der Haartracht (Tonsur, Bart, Zopf) ĂŒblich, die je nach Konfession oder Tradition variieren. Bei der Feier von Gottesdiensten tragen Kleriker liturgische GewĂ€nder.
FĂŒr die Anerkennung der WeiheĂ€mter in und zwischen den verschiedenen Kirchen ist die Lehre der apostolischen Sukzession von Bedeutung, d. h. die ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes und damit des Priestertums ausgehend von den nach kirchlicher Ansicht durch Christus in dieses Amt eingesetzten Aposteln.
Römisch-katholische Kirche
Klerikerstand
Nach frĂŒherem katholischen Kirchenrecht (bis 1972) erfolgte die Aufnahme in den Klerus bereits durch die Tonsur (die vor dem Empfang irgendeiner Weihe empfangen werden konnte, etwa von Seminaristen). Als Vorstufen zur Diakonenweihe waren bis dahin auch verschiedene niedere Weihen zu durchlaufen, die es in den Ostkirchen zum Teil noch heute gibt. Historisch gehörten die (auch als Minoristen bezeichneten) Inhaber der niederen Weihen zwar bereits zum Klerus (unterstanden also beispielsweise der geistlichen Gerichtsbarkeit), waren aber bestimmten Rechten und Pflichten nicht oder nicht in dem MaĂe unterworfen wie Majoristen. Heute in AusnahmefĂ€llen â etwa in mit Rom unierten Kirchen mit abweichendem Ritus oder in der auĂerordentlichen Form des römischen Ritus â noch gespendete niedere Weihen fĂŒhren nach katholischem Kirchenrecht nicht mehr dazu, dass die Betreffenden als Kleriker gelten.
Die Zugehörigkeit zum Klerus ist mit verschiedenen Pflichten und Rechten verbunden, dazu gehören im Wesentlichen:
âą Gehorsamspflicht gegenĂŒber den kirchlichen Vorgesetzten (in der Regel dem Bischof): Der Gehorsam bezieht sich auf die Amtspflichten; das Privatleben ist nur betroffen, soweit es um âstandesgemĂ€Ăesâ Verhalten geht. Das RechtsverhĂ€ltnis des Klerikers zu der ihm ĂŒbergeordneten kirchlichen Organisationseinheit (Diözese etc.) bezeichnet man in den westlichen Kirchen als Inkardination (Eingliederung, Einbindung), in der Ostkirche als Askription (zugeschriebene âZugehörigkeitâ).
âą Geistlicher Dienst: Hauptaufgaben der Kleriker sind die WortverkĂŒndigung und das Spenden der Sakramente. Dabei sind dem Kleriker bzw. Priester bestimmte Ămter vorbehalten, zu deren AusĂŒbung Weihegewalt (durch das Weihesakrament ĂŒbertragen) bzw. kirchliche Leitungsgewalt (durch besondere âSendungâ oder Beauftragung ĂŒbertragen) erforderlich ist (dabei ist die Weihe in den meisten FĂ€llen GĂŒltigkeitsvoraussetzung, die Beauftragung hingegen ZulĂ€ssigkeitsvoraussetzung fĂŒr die Vornahme der Amtshandlungen). FĂŒr bestimmte Ămter (z. B. Diözesanbischof oder Pfarrer) besteht in der Regel eine Residenzpflicht (örtliche Wohn- bzw. Anwesenheitspflicht). Neben der Seelsorge und dem Gottesdienst können Kleriker auch administrative, wissenschaftliche, schulische, soziale, kulturelle oder sonstige kirchliche Aufgaben wahrnehmen.
âą Zölibat: In der lateinischen Kirche sind Diakone (soweit nicht bereits vor der Weihe verheiratet), Priester und Bischöfe zum Zölibat verpflichtet. Vom Zölibat entbinden (Dispens) kann nur der Papst (etwa im Zuge der Laisierung oder auch bei verheirateten anglikanischen oder protestantischen Geistlichen, die zur katholischen Kirche ĂŒbertreten). In den meisten mit Rom unierten Kirchen mit östlichem oder orientalischen Ritus gilt der Zölibat ebenso wie in fast allen orthodoxen Kirchen nur fĂŒr Bischöfe und unverheiratet geweihte Kleriker (hauptsĂ€chlich Mönche, die aufgrund ihrer GelĂŒbde ohnehin ehelos leben). In der anglikanischen und der altkatholischen Kirche sind die Kleriker nicht zum Zölibat verpflichtet.
âą Lebenswandel und Persönlichkeit: Von einem Kleriker werden im Allgemeinen Frömmigkeit und ein einfacher Lebensstil gefordert, er soll ein vorbildhaftes christliches Leben fĂŒhren. Es gibt auch bestimmte Gottesdienst- und Gebetsverpflichtungen fĂŒr Kleriker (etwa in der katholischen Kirche und der Ostkirche das Stundengebet). Im Ăbrigen hĂ€ngen die jeweiligen Anforderungen stark von den konkreten Aufgaben und Einsatzgebieten des Geistlichen und der Tradition seiner Gemeinschaft ab.
âą Recht auf Unterhalt und Versorgung: Heutige Kleriker werden meist von ihrem Dienstherrn bezahlt. In Deutschland und Ăsterreich tragen die Kirchenmitglieder ĂŒber die Kirchensteuer zum Auskommen der kirchlichen AmtstrĂ€ger bei. Historisch spielte die Versorgung des Klerus als gesellschaftspolitisches Problem eine groĂe Rolle. In zahlreichen Epochen der Geschichte gab es viele beschĂ€ftigungs- und mittellose Kleriker. In der Regel mussten die Gemeinden fĂŒr ihre Geistlichen aufkommen, etwa durch Entrichtung des Zehnten. Ein anderes Modell stellte die geistliche PfrĂŒnde dar. Lange Zeit bildete der meist durch Schenkung erworbene Grundbesitz der Kirchen die wichtigste Grundlage fĂŒr die Bezahlung der Kleriker. Nach der Enteignung der Kirchen im Zuge der SĂ€kularisation verpflichteten sich zunĂ€chst die FĂŒrsten zur Besoldung kirchlicher AmtstrĂ€ger. Im Rahmen der Trennung von Kirche und Staat wurde die Eigenfinanzierung der Kirche durch die GlĂ€ubigen aber gröĂtenteils wieder eingefĂŒhrt. Seit 1919 garantiert in Deutschland die Verfassung das Besteuerungsrecht der Religionsgemeinschaften.
Den Klerikerstand kann man durch Laisierung verlieren, auf Antrag in den Stand aber auch wieder eingesetzt werden. Das Weihesakrament wird aufgrund seines unauslöschlichen Charakters durch die Laisierung nicht rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Bei Verlust des Klerikerstandes werden die Betreffende aber von den Rechten und Pflichten eines Klerikers entbunden.
Religiosen
Eine gewisse Sonderstellung nehmen die sogenannten Religiosen ein, also die Ordensleute und Angehörigen Ă€hnlicher VerbĂ€nde oder KommunitĂ€ten. Sie gelten (soweit sie nicht durch Ordination dem Klerus angehören) in den katholischen Ostkirchen und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand (zusammen mit Eremiten und geweihten Jungfrauen), der weder dem Klerus noch den Laien zuzurechnen ist. In der ĂŒbrigen römisch-katholischen Kirche war das bis zur Reform des Kirchenrechts durch den 1983 promulgierten Codex Iuris Canonici Ă€hnlich (jedenfalls legt LG 31cite-ref-2[2] das nahe) bzw. nicht genau definiert. Gleichzeitig gab es innerhalb der meisten MĂ€nnerorden in der katholischen Kirche, besonders in den sogenannten Priesterorden, bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil eine deutliche Trennung zwischen den LaienbrĂŒdern und den Klerikern, die die Weihen empfangen hatten und in vieler Hinsicht privilegiert waren. Heute gelten Personen des geweihten Lebens in der lateinischen Kirche kirchenrechtlich entweder als Laien oder als Klerikercite-ref-3[3], je nachdem, ob sie das Weihesakrament empfangen haben oder nicht. Gleichzeitig ist die unterschiedliche Behandlung von Laien und Priestern innerhalb der Orden weitgehend abgeschafft, wenngleich je nach der kirchenrechtlichen Verfassung des Institutes (klerikal oder laikal) immer noch einige LeitungsĂ€mter den Geweihten vorbehalten bleiben.
Die Bezeichnung der Ordens- und SÀkularinstitute als Institute des geweihten Lebens bringt die gottgeweihte Stellung der Personen des geweihten Lebens zum Ausdruck. Mit der Annahme der besonderen Lebensform nach den evangelischen RÀten durch die Kirche (vor einem Ordensoberen oder dem Diözesanbischof) ist keine sakramentale Weihe verbunden; die Ablegung der Profess von Ordensleuten und Eremiten und die Spendung der Jungfrauenweihe gehören zu den Sakramentalien.
Orthodoxe Kirchen
In der orthodoxen Schultheologie ist der Unterschied von Klerus und Laien das tragende Element der Amtslehre.cite-ref-felmy-2014-203-4-0[4] Den höheren Klerus bilden die drei WeiheĂ€mter Diakon, Priester und Bischof.cite-ref-5[5] Allerdings ist das Gottesvolk nach orthodoxer Auffassung nicht einfach in Klerus und Laien zweigeteilt, sondern vielfach hierarchisch gegliedert, âin Bischof, Priester, Diakone, Ipodiakone, Leser, PsalmsĂ€nger, getaufte Laien und Katechumenen.âcite-ref-felmy-1990-6-0[6] Hinzu kommen Mönche, Nonnen, Eremiten, geweihte Jungfrauen, Diakonissen (letztere historisch bis zum 13. Jahrhundert), die wiederum als eigene StĂ€nde betrachtet und Ă€hnlich wie im altkirchlichen Schrifttum zum Klerus im weiteren Sinn gerechnet werden oder eine Zwischenstellung einnehmen. Die Vollmacht einer orthodoxen Ăbtissin, in ihrem Kloster â auch im Gottesdienst â den Segen an die einzelnen GlĂ€ubigen zu spenden, verdeutlicht den priesterlichen Charakter ihres AmtsverstĂ€ndnisses.cite-ref-felmy-1990-6-1[6] Die Vielfalt der Ămter und StĂ€nde bringt nach orthodoxem VerstĂ€ndnis auch die âeschatologische Schönheitâ der Kirche zum Ausdruck, die als irdische Vorausschau auf die Schönheit der kommenden Welt hinweist und sich sinnbildhaft in der Liturgie wiederfindet. Der Ruf des Diakons zu Beginn der Göttlichen Liturgie kann dies in Erinnerung rufen:cite-ref-felmy-1990-6-2[6] âLasst uns schön dastehen, lasst uns mit Ehrfurcht dastehen, lasst uns aufmerksam sein, das heilige Opfer in Frieden darzubringen.âcite-ref-7[7]
In der von Nikolai Nikolajewitsch Afanassjew (1893â1966) und Alexander Dmitrijewitsch Schmemann geprĂ€gten, heute weitgehend als herrschende orthodoxe Lehre anerkannten sogenannten âeucharistischen Ekklesiologieâ, die auf dem KirchenverstĂ€ndnis des Ignatius von Antiochien fuĂt und in der Orthodoxie breite Zustimmung fand,cite-ref-felmy-2014-199-8-0[8] tritt das kirchliche Amt ganz in den Dienst der Ortskirche, deren Zentrum der Vollzug der Eucharistie in Einheit mit dem Bischof und den ĂŒbrigen Ortskirchen ist.cite-ref-felmy-2014-203-4-1[4] Dementsprechend ist der Orthodoxie ein ontologisches AmtsverstĂ€ndnis, wie es in der traditionellen Klerikalstruktur der römisch-katholischen Hierarchie zum Ausdruck kommt, auch in der Moderne fremd geblieben.cite-ref-felmy-2014-204-9-0[9] Allerdings hatte Afanassjews Denken auch spĂŒrbare RĂŒckwirkungen auf die römisch-katholische Kirche, die im 2. Vatikanischen Konzil ebenfalls die Eucharistie sehr viel stĂ€rker als frĂŒher in den Mittelpunkt ihres Amts- und KirchenverstĂ€ndnisses rĂŒckte.cite-ref-felmy-2014-199-8-1[8] Die Amtslehre Afanassjews zeigt auch Möglichkeiten fĂŒr das ökumenische GesprĂ€ch mit Kirchen, die die apostolische Sukzession des Bischofsamtes nicht bewahrt haben.cite-ref-felmy-2014-204-9-1[9]
In der orthodoxen Kirche heute ist der Bischof Leiter der Ortskirche, der Presbyter Leiter der Eucharistieversammlung.cite-ref-felmy-2014-204-9-2[9] Wie schon in der Alten Kirche ist nach Ansicht Schmemanns erst âin der Einheit von Bischof, Klerus und Volk die FĂŒlle des kirchlichen Lebens und der kirchlichen Gabenâ verwirklicht.cite-ref-10[10] In der orthodoxen Praxis zĂ€hlt daher zum Klerus, wer eine Gemeinde leitet oder in der Ortsgemeinde ein Lehr- oder Gottesdienstamt ausĂŒbt; auf eine klare begriffliche Trennung zwischen Weihe- und BeauftragungsĂ€mtern wird dabei hinsichtlich ihrer Zuordnung zum Klerus wenig Wert gelegt.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12] Anders als Afanassjew (der ihr kritisch gegenĂŒberstand) hat Schmemann allerdings auch die Ordination als ökumenische Klammer zwischen den Ortskirchen positiv gewĂŒrdigt.cite-ref-13[13]
Protestantismus
Im Bereich der reformatorischen Bekenntniskirchen, die das Weihesakrament ablehnen, aber eine der Priesterweihe Ă€uĂerlich vergleichbare Ordination ihrer Pastoren kennen, wird der Begriff als umgangssprachliche Sammelbezeichnung fĂŒr ordinierte Gemeindeglieder bisweilen genutzt.
GrundsĂ€tzlich gilt das GegenĂŒber von Klerus und Laien in der reformatorischen Tradition jedoch als aufgehoben. Zum einen benötigt die AutoritĂ€t der Schrift (der Bibel) nach protestantischem VerstĂ€ndnis keiner Vermittlung durch besonders geweihte Personen, sondern kann von jedem Christen verstanden werden. In reformatorischen (wie auch schon frĂŒheren Reform-) Bewegungen war es daher von Anfang an ein wichtiges Anliegen, auch den Laien und nicht allein den Priestern und Mönchen die SchriftlektĂŒre (in der Volkssprache) zu ermöglichen.
Von Martin Luther ausgehend entwickelte die protestantische Tradition darĂŒber hinaus den Gedanken des allgemeinen Priestertums aller Getauften weiter und betont, dass die Erlösung durch das Opfer Christi einmalig und endgĂŒltig sei, sodass es keiner opferpriesterlichen Aufgaben und damit auch keines besonderen Priesterstandes mehr bedĂŒrfe, dem die Rolle des Priesters als Vorsteher des Abendmahles und âVerwalterâ der Sakramente vorbehalten werden mĂŒsse.
Rolle des Klerus in der Gesellschaft
In den religiös organisierten Gesellschaftsordnungen des europĂ€ischen Mittelalters, in denen Kirche und Gesellschaft als Einheit aufgefasst wurden, bildete der Klerus auch gesellschaftlich eine besondere Gruppe, einen sogenannten Stand. Als Hauptaufgabe des Klerus galt nach dem VerstĂ€ndnis der mittelalterlichen Weltordnung die Sorge fĂŒr das Seelenheil der GlĂ€ubigen, also der Allgemeinheit. Die Zugehörigkeit zum Klerus war mit bestimmten Rechten (etwa dem Zehnten) und Pflichten (etwa dem Zölibat) verbunden. Bis in die Neuzeit genoss insbesondere der höhere Klerus â Ă€hnlich wie der Adel, dem er fast ausnahmslos entstammte â verschiedene Privilegien gegenĂŒber den einfachen BĂŒrgern und Bauern (Dritter Stand). Mit der AufklĂ€rung, dem Erstarken des BĂŒrgertums nach der französischen Revolution, der SĂ€kularisation, den antiklerikalen und laizistischen Bewegungen und Gesellschaftsmodellen des 19. Jh., der Trennung von Staat und Kirche, der Entstehung demokratischer Gesellschaftsformen und schlieĂlich dem nachlassenden Einfluss der Religion auf das gesellschaftliche Leben Europas ĂŒberhaupt (SĂ€kularisierung) verlor die soziologische Sonderstellung des Klerus seit dem Ausgang des 18. Jh. bis heute weitgehend ihre Bedeutung. Als eigene soziale Schicht existiert der Klerus im modernen Europa praktisch nicht mehr.
Der soziale Wandel, dem die Rolle des Klerus in der Gesellschaft in der europĂ€ischen Geschichte des vergangenen Jahrtausends unterworfen war, hat auch zu starken VerĂ€nderungen in Bezug auf die Zusammensetzung des Klerus, die soziale Herkunft seiner Mitglieder und die Motivationen gefĂŒhrt, die Menschen dazu bewegen, eine klerikale Laufbahn einzuschlagen. Vor allem in westlich geprĂ€gten Gesellschaften hat die in weiten Teilen der Welt abnehmende AttraktivitĂ€t des Klerikerberufes in manchen Kirchen, besonders in der römisch-katholischen, zu krisenhaften Erscheinungen gefĂŒhrt (Priestermangel).cite-ref-14[14]
Klerikern sind politische BetĂ€tigungen untersagt (Reichskonkordat, Art. 32). In Deutschland sind Kleriker vom Wehrdienst befreit (§ 11 WPflG) (Reichskonkordat#Inhalt des Geheimanhangs). Sie sollen nicht zum Schöffen berufen werden (§ 34 GVG). Historisch hatte der Klerus auch noch deutlich weitergehende Vorrechte. Eine gegen die gesellschaftliche Sonderstellung des Klerus und der Kirche ĂŒberhaupt gerichtete Strömung heiĂt antiklerikal.
Literatur
âą Eugen Drewermann: Kleriker: Psychogramm eines Ideals. 7. Auflage, Walter-Verlag, Olten 1990, ISBN 3-530-16902-1.
âą Enno BĂŒnz u. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (Hrsg.): Klerus, Kirche und Frömmigkeit im spĂ€tmittelalterlichen Schleswig-Holstein. Wachholtz, NeumĂŒnster 2006, ISBN 3-529-02941-6.
âą Friedrich Wilhelm Oedinger: Ăber die Bildung der Geistlichen im SpĂ€ten Mittelalter. Leiden/Köln 1953 (= Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters. Band 2).
Weblinks
Wiktionary: Klerus
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Klerisei
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Siehe auch
âą Klerikalismus
Zum hohen Klerus:
âą Abt
âą Bischof
âą Ordensgeneral
âą Papst
âą Patriarch
âą Metropolit
Einzelnachweise
cite-note-11. â Eintrag Klerus in: Hans Schulz: Deutsches Fremdwörterbuch. Karl J. TrĂŒbner, StraĂburg 1913. Band 1, S. 347.
cite-note-22. â Lumen Gentium: â31. Unter der Bezeichnung Laien sind hier alle ChristglĂ€ubigen verstanden mit Ausnahme der Glieder des Weihestandes und des in der Kirche anerkannten Ordensstandesâ
cite-note-33. â âKraft göttlicher Weisung gibt es in der Kirche unter den GlĂ€ubigen geistliche AmtstrĂ€ger, die im Recht auch Kleriker genannt werden, die ĂŒbrigen dagegen heiĂen auch Laienâ (can. 207 CIC). Bruno Primetshofer (Ordensrecht. Rombach, Freiburg i. B., 4. Auflage 2003, S. 28) hebt im Anschluss an das oben stehende Zitat aus dem CIC noch einmal ausdrĂŒcklich hervor: âChristen, die sich zu einem Leben nach den evangelischen RĂ€ten verpflichtet haben, stellen nach dem CIC keinen zusĂ€tzlichen Stand in der Kirche dar, sondern sind entweder Kleriker oder Laien.â
cite-note-felmy-2014-203-44. â Karl Christian Felmy: EinfĂŒhrung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart. 3., ergĂ€nzte Auflage, Lit Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-643-11199-9, S. 198â213 (âDie eucharistische Ekklesiologieâ), bes. S. 203.
cite-note-felmy-1990-66. â Karl Christian Felmy: Orthodoxe Theologie. Eine EinfĂŒhrung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-01834-6, S. 227f.
cite-note-77. â Vgl. Die Göttliche Liturgie unseres heiligen Vaters Johannes Chrysostomos. Kirchenslawisch â deutsch. Paulinus-Verlag, Trier 1977, S. 62.
cite-note-felmy-2014-199-88. â Karl Christian Felmy: EinfĂŒhrung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart. 3. Aufl., Berlin 2014, S. 199.
cite-note-felmy-2014-204-99. â Karl Christian Felmy: EinfĂŒhrung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart. 3. Aufl., Berlin 2014, S. 204.
cite-note-1010. â Karl Christian Felmy: EinfĂŒhrung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart. 3. Aufl., Berlin 2014, S. 207.
cite-note-1111. â Klerus der deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland. Abgerufen am 13. Juli 2017.
cite-note-1313. â Karl Christian Felmy: EinfĂŒhrung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart. 3. Aufl., Berlin 2014, S. 206.
cite-note-1414. â Herbert Vorgrimler: Priestertum. In: ders.: Neues theologisches Wörterbuch. Neuausgabe 2008 (6. Aufl. des Gesamtwerks), Herder, Freiburg im Breisgau 2008, ISBN 978-3-451-29934-6, S. 517â520 (hier: S. 519 f.).